Fünf Musiker haben am Samstag bei der 19. Auflage des Lichtensteiner Liedermacherfestival in der Laurentiuskirche ihre Zuhörer zum Nachdenken gebracht.

Lichtenstein. Wolfgang Tost ist in der christlichen Liedermacherszene längst eine bekannte Größe und in Lichtenstein nicht nur Stammgast, der zum neunten Mal auftrat. Der 59-Jährige gehört auch zum Vorbereitungsteam des 19. Lichtensteiner Liedermacherfestivals, das am Samstagabend knapp 300 Besucher in die Kirche lockte.

Als er mit Gitarre oder Mundharmonika sowie mit Begleitung von Ronny Neumann am Piano dann selbst für die Musik sorgte, war die Vorbereitungsarbeit aber vergessen. "Wir sind modern, wir sind gescheit. Wir hetzen in die neue Zeit", war eine von vielen Zeilen mit engem Bezug zu den Herausforderungen, die das Leben ausmachen. Eine Strophe später hieß es "Wir torkeln in die neue Zeit", und Tost fand viele Worte zum Problem der alltäglichen Hektik, der die Besucher des Festivals aber für rund drei Stunden entfliehen konnten.

"Man muss nah dran sein an den Menschen und Themen. Dann findet man genug, worüber man Lieder machen kann", sagt Tost. Die Wendezeit und ihre Vorgeschichte, die gerade für die christlichen Liedermacher eine besondere war, da sie schon damals die Kritik an den Zuständen nicht scheuten, hat den gebürtigen Mildenauer bis heute nicht losgelassen. Das Lied "Deutsche Einheit", welches mancher Zuhörer vielleicht als Titel einschätzte, dessen Entstehung schon ein paar Jahre zurückliegt, entstand erst kürzlich und zeigt, dass sich offenbar nicht alles so entwickelt hat, wie einst erhofft. "Die Mauer ist weg, aber die Gräben sind tiefer" sang er und erklärte, dass viel Euphorie einer gewissen Nüchternheit gewichen ist.

In der Liedermacherszene funktioniert das Miteinander von Ost, West, Nord und Süd aber gut. In den vergangenen Jahren waren viele Größen der deutschen Liedermacherszene in Lichtenstein zu Gast. "Wir wollen auch Themen ansprechen, die nicht in Ordnung sind", betont Tost, der nicht nur Liedermacher, sondern auch in der christlichen Jugendarbeit tätig ist.

Damit neue Lieder entstehen können, hat er stets ein Diktiergerät oder einen Notizblock greifbar. "Die guten Gedanken entstehen meistens in Situationen, in denen man das gar nicht plant", sagt Tost. Das bestätigte mit Katharina Neudeck eine weitere Künstlerin, die am Samstag zu Gast war. "Viele Lieder entstehen am Herd, am Bügelbrett oder beim Klo putzen", sagte die 36-Jährige. Neben Katharina Neudeck und Wolfgang Tost traten Annemarie Franke, Jürgen Weiß und Richard Börner auf.

Zum Abschluss gab es Musik, bei der alle Liedermacher gemeinsam auf der Bühne standen. Ein typisches Gesicht des Lichtensteiner Festivals fehlte diesmal allerdings. Theo Lehmann aus Chemnitz, der neben Wolfgang Tost, Jens Bräuning und Frank Joseph zu den Begründern und Organisatoren gehört, konnte wegen gesundheitlicher Probleme nicht dabei sein und wurde von Moderator Wolfgang Freitag vertreten.

erschienen am 11.11.2013 in der Freien Presse (Von Markus Pfeifer); Bild (Von Andreas Kretschel)

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