„Bei mir hat es in den Kopf geregnet“
Spiel- und Theaterpädagoginnen in der Arbeit mit Demenzkranken

Seit über 7 Jahren bietet der Bundesverband Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e.V. eine Ausbildung zur Spiel- und Theaterpädagogin (bka) zw. zum Spiel- und Theaterpädagogen (bka) an. Alexandra Reifahrth (Schauspielerin) und Tanja Konter (angehende Pfarrerin) haben sich für Ihr Abschlussprojekt jeweils herausfordern lassen.

Wie geht das zusammen: Menschen mit Demenz und eine Theateraufführung, bzw. wie können wir Menschen die an Demenz erkrankt sind aus Ihrem eigenen Lebenskreisel wieder zu uns, in unsere Welt, wenigstens ein Stück weit zurückholen. Die beiden jungen Frauen haben sich der Herausforderung gestellt und Tolles, Schönes und auch Beschwerliches erlebt. Ihre beiden Projekte sind wegweisend für die Arbeit mit Demenzkranken. Kirchliche Kulturarbeit geht an dieser Stelle inhaltlich und methodisch vorweg, wenn es um die Frage geht, wie wir zukünftig mit unserer älter werdenden Gesellschaft umgehen sollen.

Neben diesen beiden Projekten präsentierten an diesem dicht gefüllten und eindrucksvollen Wochenende in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Frauenberg in Bad Hersfeld weitere 39 nun ausgebildete Spiel- und Theatertrainer/innen (bka) beziehungsweise Spiel- und Theaterpädagogen/innen ihre vielschichtigen Spiel- oder Theaterprojekte einer interessierten Öffentlichkeit.

41 Absolventinnen und Absolventen der Modularen Kompaktausbildung „Kulturelle Kompetenz und kreative Gestaltung©“* präsentierten ihre Praxisanwendungen und erhielten ihre Zertifikate.
Vom 19. - 21. Juni 2015 fand in Bad Hersfeld die Fachtagung „KULTUR ZUM (ER)LEBEN“ des Bundesverbands Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e.V. (bka) statt.
Die Kooperationsveranstaltung mit den Trägern der Fortbildungsmaßnahme in Hessen: Referat Kinder- und Jugendarbeit der EKKW, Referat für Spiel und Theater der EKHN, Evangelische Kirche von Westfalen, Amt für Jugendarbeit und Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, Amt für Jugendarbeit Nürnberg fand in der Ev. Jugendbildungsstätte Frauenberg in Bad Hersfeld statt, die am Wochenende rund 55 Kulturschaffende beherbergte. Anlass war der Ausbildungsabschluss von 41 Teilnehmenden, die nach zwei Jahren und der Absolvierung von 3 bzw. 5 Modulen erfolgreich ihre Ausbildung zum Spiel- und Theatertrainer bzw. - trainerin bzw. –pädagogin abschlossen und die Tagung durch ihre beeindruckenden und an der Praxis orientierten Projektpräsentationen bereicherten.

Durch das Programm führte Hubert Heck, einer der verantwortlichen Ausbildungsleiter und Vorsitzender des Bundesverbands Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e.V. (bka), der auch für die Einhaltung des straffen Zeitplans sorgte.
Auch direkt vor Ort wurde noch in Workshops gespielt und kleine Performances mit der Stimme und Körpereinsatz einstudiert. Die vielfältigen Projektpräsentationen wurden umrahmt von einem Großgruppenworkshop zu Aroha mit Claudia Pfort und zur Stimmbildung mit Alexandra Kumant, zu dem die Absolventinnen kleine Performances erarbeiteten.
Kernstück der Veranstaltung war die Präsentation der genre- und zielgruppenübergreifenden Praxisanwendungen, die die Absolventinnen und Absolventen im Rahmen ihrer Ausbildung konzipiert, durchgeführt, ausgewertet und entsprechend dokumentiert haben. Auf Stellwänden wurden im Rahmen eines thematischen Projekte-Parcours Fotos, Konzepte und diverse Materialien zur Übertragung in die eigene Praxis präsentiert. Vier Projekte wurden exemplarisch auf der Leinwand im Saalpräsentiert.

Der Einsatz der Absolventinnen und Absolventen war hoch, in einem Abstand von 45 Minuten wurden die Praxisanwendungen zu den vier inhaltlichen Schwerpunkten präsentiert. Vorgestellt wurde unterschiedlichste Praxis für und mit den unterschiedlichsten Zielgruppen. Die Bandbreite erstreckte sich von der Arbeit mit Kindern, über Schüler- und Jugendprojekte, generationsübergreifende Ensembles bis hin zu Integrationsprojekten mit behinderten Menschen und Demenzkranken. Das Spektrum der Präsentationen reichte dabei von Theaterprojekten für Schulkinder, über Musicalproduktionen mit Menschen mit Behinderung, bis hin zu spiel- und theaterpädagogischen Workshops mit den unterschiedlichsten Alters- und Zielgruppen. Trotz der Unterschiedlichkeit der Projekte und der Präsentationen, eines hatten alle gemein, sie zogen das anwesende Publikum in ihren Bann und stellten unter Beweis, dass die AbsolventInnen nun verdient und mit vollem Recht und Stolz den Titel „Spiel- und Theatertrainer/in / Spiel- und Theaterpädagog/in“ (bka) tragen können!

Die anschließende feierliche Zertifikatsübergabe war eingerahmt von wohlwollenden und wertschätzenden Nennungen der einzelnen Praxisprojekte. Die vier Ausbildungsleitenden unterstrichen die Bedeutung für die kirchliche Kinder-, Jugend- und Gemeindearbeit, sowie die Ehrung der Absolventinnen und Absolventen und die Anerkennung ihrer kulturpädagogischen Leistungen. Sie sollten zukünftig ebenfalls als Botschafterinnen und Botschafter für das Wagnis „Kultur“ fungieren und durch ihr soziokulturelles Engagement die Gesellschaft bunter und reicher gestalten.
Nacheinander kamen die Absolventinnen und Absolventen aus Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen auf die Bühne, um von ihren Ausbildungsleitern, Vertretern des Vorstands des bka feierlich ihre Zertifikate in Empfang zu nehmen.

Mit einer Rose und ihrem Zertifikat in der Hand präsentierten sich alle Beteiligten dem Fotografen. Abgerundet wurde der Abend mit einem mehrgängigen inszenierten Abendessen bei der sich die Absolventinnen und Absolventen feiern konnten.

Der zentrale Programmpunkt am darauf folgenden Sonntag war die Vorstellung der drei Projektmodule im Ausbildungszusammenhang, das Theaterprojekt Antigone.14 in Hessen, die Werkstatt Kirchenraum – church@light in Hessen und das Musicaltheater zum Kindergipfel in Westfalen.

Danach wurde das Online-Portals des bka zur Vernetzung von Kulturschaffenden vorgestellt. Mit derKommunikationsplattform www.modulausbildung.de steht ein handhabbares Instrument zur Vernetzung zur Verfügung. Es bietet allen interessierten Kulturschaffenden die Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren und sich auf diesem Internetportal mit Ihren Projekten und Schwerpunkten zu präsentieren, um so potentielle Auftrag- und Arbeitgeber für sich zu interessieren und zu gewinnen.

Mit einem kleinen Ritual schloss die Veranstaltung, die Teilnehmenden verabschiedeten sich voneinander. Mit ein bisschen Wehmut aber auch Begeisterung auf die neuen Herausforderungen traten sie ihren Heimweg an.

Eines haben sie alle gemeinsam: Sie haben sich gemäß dem Sprichwort frei nach Max Reinhard „ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und machen sich nun auf und davon, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“ Als ausgebildete Spiel- und Theatertrainer und -trainerin und Spiel- und Theaterpädagogin bereichern sie zukünftig nicht nur die Kinder- und Jugendarbeit, sondern auch das Gemeinwesen, die Kirchengemeinden, begeistern Schüler und Senioren etc. Sie machen auch das Leben ein bisschen bunter, das Herz in der Hand und das professionelle Rüstzeug in der Tasche.

(Bericht: Karen Nitschke / Hubert Heck, Bilder: Uli Geißler / Karsten Kleffmann)

 

 

 

 

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